Medienfondsbeteiligung - Prospektübergabe kann Beratungsverpflichtung des Anlageberaters nicht ersetzen

Ein Anleger muss grundsätzlich die vom Berater erlangten Informationen nicht nochmals auf seine Richtigkeit überprüfen, insoweit die mündliche Beratung also Vorrang hat, selbst wenn im Prospekt anderweitige Angaben dargetan sind.

 

Diese Grundsätze hat schon das OLG München in seiner Entscheidung vom 06.09.2006 (Az.: 20 U 2694/06) konstatiert. Das OLG Stuttgart hat diese Argumente anlässlich einer aktuell entschiedenen Schadensersatzklage - u.a. wegen Beteiligung der dortigen Klagepartei an der „Second Global Motion Pictures KG“ - zur Darstellung dafür verwandt, dass der dort agierende Berater die Anlegerin nicht richtig beraten und auch nicht sachgerecht auf die bestehenden Risiken hingewiesen hatte (OLG Stuttgart, Urteil vom 01.04.2010, 7 U 185/09). Der beklagte Anlageberater machte im dortigen Rechtsstreit geltend, Medienfondsprodukte seien für die Altersvorsorge geeignet, darüber hinaus der Klägerin aus den Prospekten und aus einer vorangegangenen Beteiligung bekannt war, dass es sich um eine unternehmerische Anlage handele, bei der sich zahlreiche Risiken realisieren könnten.

 

Diese Argumentation ließ schon das LG Stuttgart in der erstinstanzlichen Entscheidung nicht gelten, was insoweit im Berufungsverfahren zum OLG Stuttgart bestätigt wurde. Der dortige Senat ist der Argumentation der Klagepartei gefolgt, wonach der Beklagte diese nicht richtig beraten und auch nicht sachgerecht auf die bestehenden Risiken hingewiesen hatte, weil dieser aufgrund der ihm zugesandten Wirtschaftlichkeitsprognose der Second Global Motion Pictures Fonds KG über eine mögliche Nachschusspflicht informiert war, welche er allerdings durch seine mündlichen Angaben relativiert und verharmlost hatte.

 

„Nach der Argumentation des OLG Stuttgart darf das Totalverlustrisiko trotz Hinweis im Prospekt im Rahmen der mündlichen Beratung nicht verharmlost werden, dürften bei einer mündlichen Beratung Risiken grundsätzlich nicht in den Hintergrund treten“, so Bettina Wittmann vom Schutzverein für Rechte der Bankkunden e.V.. Nach Auffassung des OLG Stuttgart wollte die dortige Anlegerin eine sichere Anlage zur Altersvorsorge, was bei den angebotenen Medienfondsbeteiligungen nicht der Fall war. Es bestand das Risiko hoher Anfangsverluste und die erfolgreiche Realisierung und spätere Vermarktung der Filme war nicht ohne weiteres sicher, so dass das Risiko des Totalverlusts des eingebrachten Kapitals als nicht unerheblich eingestuft werden müsste (so schon BGH, Urteil vom 14.06.2007, II ZR 125/06).

 

Vor diesem Hintergrund, so der Schutzverein für Rechte der Bankkunden e.V., ist jedem Anleger, der eine Medienfondsbeteiligung als angeblich sichere Anlage auf Empfehlung eines Anlageberaters erworben hat und nicht über die Totalverlustrisiken hieraus aufgeklärt wurde, zu raten, aktiv zu werden und seine Schadensersatzansprüche geltend zu machen.

 

Weitere Informationen unter www.schutzverein.org.

Zurück

Der Schutzverein für Rechte der Bankkunden e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, geschädigten Kapitalanlegern zur Seite zu stehen, um ihnen Wege aus der Schuldenfalle zu bieten und Möglichkeiten aufzuzeigen, ihr eingesetztes Kapital zu retten. Hierbei dient der Verein insbesondere als Informationsportal für geschädigte Kapitalanleger, wobei wir uns als unabhängiges Sprachrohr der Anleger verstehen und deren Interessen vertreten.
Ihr Vorteile einer Mitgliedschaft