Amtsgericht Leipzig verurteilt beratendes Kreditinstitut zu Schadensersatz!

Das AG Leipzig hat mit Urteil vom 10.11.2008 (115 C 3759/08) der dort von einer Anlegerin begehrten Schadensersatzleistung aus einem Beratungsfehler des beklagten Kreditinstituts stattgegeben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.


Die dortige Klägerin begab sich in die Niederlassung des beklagten Kreditinstituts in Leipzig in der Absicht, EUR 30.000,00 als Festgeld anzulegen. Die handelnde Bankmitarbeitern empfahl der Klägerin nur EUR 10.000,00 als Festgeld anzuwerben und für den Restbetrag über EUR 20.000,00 ein „Premium Express Diffensive XIII Zertifikat“, eine Finanzinnovation mit schwankenden Kurs, zu erwerben. Nachdem der Kurs gefallen war, ein Rückgaberecht nicht bestand und die Klägerin den über das Festgeld über EUR 10.000,00 hinausgehenden Betrag benötigte, gab sie das Zertifikat unter Wert zurück.


Mit der vorliegenden Schadensersatzklage begehrte die Klägerin Zahlung des Differenzbetrages mit der Behauptung, sie sei anlässlich des Erwerbs dieses Zertifikates von der handelnden Bankmitarbeiterin falsch beraten worden.


Das AG Leipzig hat nach Beweisaufnahme der Klage stattgegeben, nachdem es die Aussage der handelnden Bankmitarbeiterin als in sich nicht stimmig würdigte. Obwohl im dortigen Fall aufgrund des erstellten Risikoprofils der Anlegerin feststand, dass sie und ihr Ehemann sehr sicherheitsorientiert und sehr konservativ waren, demzufolge die dortigen Anleger eine sichere Anlage wollte, bot die handelnde Bank das Zertifikat an und begründete dies damit, es sei auf die steuerlichen Belange zu sprechen gekommen, da die Einlage steuerfrei sei, soweit das Geld für mindestens 1 Jahr angelegt werde. „Viele Leute würden auch bei einem sicherheitsorientierten Risikoprofil mehr Risiko eingehen, wenn auf den steuerlichen Vorteil hingewiesen würde. Ein steuerlicher Vorteil setzt jedoch voraus, dass der Steuerfreibetrag überhaupt ausgeschöpft ist“, so das AG Leipzig in den Entscheidungsgründen. Dies war hier nicht der Fall, weshalb nach Beweiswürdigung das AG Leipzig die Entscheidung traf, dass das Zertifikat den sicherheitsorientierten Anlegern nach Erstellung eines Risikoprofils nicht hätte zur Zeichnung empfohlen werden dürfen, stand dies doch dem Wunsch der Anleger entgegen, die zum einen eine sichere Anlage und zum anderen einen sugsesiven Verbrauch begehrten.

Interessierte Anleger können die Entscheidung des AG Leipzig vom 10.11.2008 unter Schutzverein für Rechte der Bankkunden e.V. beziehen.

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