Schutzverein für Rechte der Bankkunden e.V.

Notleidende Kapitalanlagen - Vorsicht vor Verjährung möglicher Ansprüche wegen Beratungsfehler

Anleger von Kapitalanlagen sollten sich immer auch der Tatsache bewusst sein, dass mögliche Schadensersatzansprüche binnen einer kenntnisabhängigen Frist von 3 Jahren verjähren können. Im Gegensatz zur üblichen 10-jährigen Verjährungsfrist verjähren Schadensersatzansprüche nach 3 Jahren ab Kenntnisnahme der anspruchsbegründenden Umstände durch den Geschädigten.

Dies berichtet der Schutzverein für Rechte der Bankkunden e.V. unter Berufung auf die aktuelle Entscheidung des BGH vom 17.03.2016 (III ZR 47/15).

Bettina Wittmann, Vorstand des Schutzvereins für Rechte der Bankkunden e.V.:

„In dieser Entscheidung hat der BGH klargestellt, dass einem Anleger, der trotz Ausbleibens der monatlichen Ausschüttungen den weiteren Beschwichtigungen seines Beraters vertraut und daher keinen Anlass sieht, seine Anlageentscheidung anhand des Prospekts zu prüfen, nicht der Vorwurf der groben Unkenntnis zum Vorwurf gemacht werden kann. Allein der Umstand, dass der Anlageinteressent den ihm überlassenen Prospekt nicht gelesen hat, genügt nach Meinung des BGH für sich allein nicht, um den Vorwurf einer grob fahrlässigen Unkenntnis von einem Auskunfts- und Beratungsfehler, die aus der Lektüre des Prospekts ersichtlich wären, zu begründen“.

Demgegenüber hat das Kammergericht Berlin aktuellen Berichten zufolge den Tatbestand der Verjährung für gegeben erachtet, weil der dortige Anleger bei Zeichnung ein Beratungsprotokoll unterzeichnet hatte, aus welchem er hätte erkennen können, dass bei der Beteiligung auch ein Totalverlust möglich ist, welches ihm der Anlageberater verschwiegen hatte. Das Kammergericht Berlin in seiner Entscheidung vom 17.03.2016:

„Denn vorliegend finden sich die Warnhinweise innerhalb der unterzeichneten Erklärung, wobei die maßgeblichen Punkte entweder handschriftlich ergänzt oder drucktechnisch hervorgehoben sind“.

Der Schutzverein für Rechte der Bankkunden e.V. empfiehlt betroffenen Anlegern rechtzeitig eine umfassende Prüfung der Sach- und Rechtslage und rät auch an, den Beschwichtigungen des damals die Anlage vertreibenden Anlageberaters nicht 100% Glauben zu schenken.

Bettina Wittmann in ihrer Stellungnahme weiter:

„Jeder Anlageberater hat ein ureigenstes Interesse daran, dass gegen ihn kein Regressprozess angestrebt wird. Je länger sich ein Anleger also beschwichtigen lässt, um so eher droht die Verjährung möglicher Ersatzansprüche“.

Der Schutzverein für Rechte der Bankkunden e.V. bietet betroffenen Anlegern notleidender Kapitalanlagen eine grundsätzlich kostenfreie Erstbewertung möglicher Ersatzansprüche an.

Weitere Informationen unter info@schutzverein.org.

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